Blick zurück: Die über ein­hun­dertjährige Geschichte der Naturfre­unde und der Freiburger Ortsgruppe

 
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Auf­bruch­stim­mung vor ein­hun­dert Jahren

Über­all in Europa schlossen sich zu Beginn des ver­gan­genen Jahrhun­derts Men­schen der Naturfreunde-Bewegung an, grün­de­ten Orts­grup­pen und bauten oder erwar­ben Vere­in­shäuser. Mit ihrer Liebe zur Natur, der Begeis­terung fürs Wan­dern und dem Wun­sch nach Bil­dung und sozialer Selb­sthilfe bilde­ten sie die Vor­läufer der mod­er­nen Friedens– und Ökolo­giebe­we­gung. Unter dem Ruf „Berg frei“ set­zen sie erst­mals in der Geschichte das all­ge­meine Betre­tungsrecht an der offe­nen Land­schaft durch.

Auch in Freiburg hatte man die Zeichen der Zeit erkannt. Am 21. Sep­tem­ber 1911 grün­dete sich im Restau­rant „Bertold Schwarz“ die Orts­gruppe Freiburg des Arbeiter-Wanderbundes „Die Naturfre­unde“. Aus den ersten 15 Grün­dungsmit­glieder mit dem Vor­sitzen­den Wil­helm Lehmann war schon drei Jahre später eine Orts­gruppe mit über ein­hun­dert Mit­gliedern gewor­den, die sich über­wiegend aus der Arbeit­er­schaft rekru­tierten. Ihr Ziel: den weniger Betuchten Erhol­ung und Sport in der freien Natur zu ermöglichen und einen Aus­gle­ichen für die tris­ten Arbeits­be­din­gun­gen in den Werk­stät­ten und Fab­riken der Stadt zu schaf­fen. Wil­helm Lehmann und seine Mit­stre­iter fol­gten mit ihrer Ini­tia­tive dem Beispiel vieler anderer Men­schen in Öster­re­ich, Deutsch­land und der Schweiz, die sich seit Grün­dung der ersten Orts­gruppe in Wien 1895 der Bewe­gung angeschlossen hatten.

Eigene Häuser bilde­ten das Fun­da­ment der Organisation

Bere­its 1914 kam die Idee auf, ein eigenes Haus im Schwarzwald zu erwer­ben, aber erst nach dem Ersten Weltkrieg kon­nte der Plan in die Tat umge­setzt wer­den. Die Freiburger kauften für 1500 Mark eine ehe­ma­lige Flug­wachthütte in Bre­it­nau, die anschließend mit sechs Pfer­den und zwei Ochsen an ihren heuti­gen Stan­dort unweit vom Fahren­berg geschafft wurde. Die beschei­dene Hütte wurde großzügig erweit­ert und am 11. Okto­ber 1919 von vie­len hun­dert begeis­terten Naturfre­un­den eingeweiht.

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Auch wenn das Bre­it­nauer Haus in den Fol­ge­jahren immer weiter aus­ge­baut wurde, reichte das Platzange­bot für die wach­sende Orts­gruppe, die schon 1922 über 500 Mit­glieder zählte, nicht aus. Trotz wirtschaftlicher Nöte beschlossen die Freiburger Naturfre­unde ein weit­eres Haus am Feld­berg zu errichten, für das in ganz Baden Geld gesam­melt wurde. Unter widrig­sten Bedin­gun­gen ent­stand das Gebäude im klas­sis­chen Schwarzwald­stil 1925 neben der Balden­weger Hütte in 1365 Meter Höhe. Dabei hat­ten die Freiburger Arbeiter nicht nur mit Wind und Wet­ter und einem frühen Win­tere­in­buch zu kämpfen, son­dern auch mit dem Wider­stand der Bauern und Förster, die ihnen Wege– und Über­fahrt­srechte ver­weigerten. Mit Muskelkraft und einer eigens errichteten Klein­bahn gelang der Bau trotz­dem bin­nen eines Jahres. 3000 Men­schen kamen zur Ein­wei­hung am Pfin­gst­woch­enende 1926. Bis heute hat des Feld­berghaus nichts von seiner Anziehungskraft einge­büßt und gehört zum attrak­tivsten der zahlre­ichen Naturfre­un­de­häuser. Deutsch­landweit betreiben die Naturfre­unde rund 400, weltweit etwa 1000 Häuser — vor allem auch in Öster­re­ich, Frankre­ich, der Schweiz, den Nieder­lan­den, Bel­gien, Ital­ien, Spanien und Finnland.

Organ­i­sa­tionsver­bot im Nationalsozialismus

Ein Polizei-Funkspruch aus Karl­sruhe been­det am 30. März 1933 jäh die Arbeit der Naturfre­unde in Freiburg und ganz Baden. Nach Anweisung des Reich­skom­mis­sars Robert Wag­ner wur­den alle Ver­bände der „marx­is­tis­chen Turn-, Sport– und Kul­turvere­ine, die örtlichen Kartelle und sämtliche Orts­grup­pen dieser Ver­bände aufgelöst und ihr Ver­mö­gen beschlagnahmt“. Neben der Arbeit­er­wohlfahrt, der Roten Hilfe, dem Arbeit­er­samariter­bund, der sozial­is­tis­chen Arbeit­er­ju­gend und vie­len anderen Organ­i­sa­tio­nen gehörten hierzu auch alle Orts­grup­pen der Naturfreunde.

Zweiter Auf­bruch nach 1945

Bere­its im Okto­ber 1945, ein halbes Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, kamen 150 Naturfre­unde im Zähringer „Löwen“ zur Wieder­grün­dung der Freiburger Orts­gruppe zusam­men. Weniger Monate später gab die franzö­sis­che Mil­itär­regierung die bei­den Häuser in Bre­it­nau und am Feld­berg an die Naturfre­unde zurück, die zwis­chen­zeitlich von Nazi-Organisationen genutzt wor­den waren und sich in einem kläglichen Zus­tand befan­den. Trotz Hunger und Nachkriegsnot wuchs die Orts­gruppe inner­halb eines Jahres auf über tausend Mit­glieder an. Im Vorder­grund stand nun nicht nur die wiederge­wonnene Frei­heit zu genießen, son­dern die Völk­erver­ständi­gung mit Sek­tio­nen in der Schweiz und in Frankre­ich aufzubauen. Dies führte 1952 zur Grün­dung der Ober­rheinis­chen Naturfreunde-Internationale und 1991 zu einer formellen Jumelage/Partnerschaft mit der Naturfre­un­de­sek­tion Val d’Orbey im Elsass.

Umbau 1982

Umbau 1982

Nach dem Wieder­auf­bau und dem wirtschaftlichen Auf­schwung in den 50-er Jahren kon­nten die Naturfre­unde ihre Ange­bote deut­lich verbessern. Nicht nur das Bre­it­nauer Haus wurde kon­tinuier­lich erweit­ert und mod­ernisiert, auch die organ­isierten Reisen führten nun nicht mehr nur in den Schwarzwald son­dern auch in die Hochalpen und ent­fer­nte europäis­che Län­der. Der Wun­sch, auch in Freiburg ein Stadtheim zu errichten, ging zwar nicht in Erfül­lung, aber 1988 kon­nte immer­hin ein Vere­in­sheim in der Lange­mar­ck­straße angemietet wer­den. Im Jahr 2009 wurde das Heim an das Bischof­skreuz verlegt.

Natur– und Landschaftsschutz

Auch wenn sich die Naturfre­unde nicht immer in allen gesellschaftlichen Fra­gen einig waren, gemein­sam war und ist ihnen die Liebe zur Natur. Schon 1948 gelang es den Naturfre­un­den zusam­men mit dem Schwarzwald­verein den Bau eines Wasserkraftwerks in der Wutach­schlucht zu ver­hin­dern. 1949 gab das Regierung­sprä­sid­ium der Orts­gruppe Freiburg den Auf­trag, das Naturschutzge­biet „Jen­netal“ am Schön­berg zu betreuen – bis heute eine wichtige ehre­namtliche Auf­gabe. Außer­dem sind Naturfre­unde auch in anderen Schutzge­bi­eten der Region im Naturschutz– und Pflege­di­enst tätig. Die Orts­gruppe Freiburg ver­fügt überdies über eine Reihe aus­ge­bilde­ter und erfahrener Wan­der­leiter und –lei­t­erin­nen, die alljährlich zahlre­iche Wan­derun­gen und naturkundliche Exkur­sio­nen für jed­er­man anbi­eten. Das Jahre­spro­gramm wird durch viele kul­turelle und gesel­lige Ver­anstal­tun­gen abgerun­det, die Mit­gliedern und Nicht-Mitgliedern offen stehen.