Naturfre­un­de­haus Breitnau:

Ein­jährige Umbauar­beiten sind abgeschlossen

Brand­schutz jetzt auf mod­ern­stem Niveau

 

Nach ein­jähriger Umbauzeit im Naturfre­un­de­haus Bre­it­nau kann jetzt gefeiert wer­den. Die Orts­gruppe der Naturfre­unde Freiburg hat das fast ein­hun­dert Jahre alte Haus auf dem Fahren­berg brand­schutztech­nisch auf einen mod­er­nen Stand gebracht und damit alle Anforderun­gen an einem Gas­tronomie– und Beherber­gungs­be­trieb erfüllt. Freude und Erle­ichterung sind bei den Naturfre­un­den groß, denn für den auss­chließlich ehre­namtlich arbei­t­en­den Verein gehen nun anstren­gende Jahre der Pla­nung, der Mit­telbeschaf­fung und der Bauar­beiten zu Ende.

Das zweiein­hal­bgeschos­sige Gebäude erhielt Brand­schutztüren, eine automa­tis­che Löschan­lage für die Küche, eine außen ange­baute Flucht­treppe, die alle Eta­gen erschließt, einen größeren Löschwasser­vor­rat und Auf­stellplätze für die Feuer­wehrfahrzeuge. Außer­dem wur­den vier zusät­zliche Außen­türen sowie feuer­feste Innen­türen einge­baut. Die Elek­tro­verteiler wur­den mod­ernisiert und eine Not­beleuch­tung sorgt jetzt für Licht im Unglücks­fall. Instal­liert wurde außer­dem eine Brand­meldean­lage mit Direk­tverbindung zur Inte­gri­erten Feuer­wehrleit­stelle Freiburg-Breisgau-Hochschwarzwald. Die Herde der Selb­stkocherküche erhiel­ten Sen­soren, die die Herde abstellen, wenn alle Per­so­nen den Raum ver­lassen. Bei alle­dem gelang es, den Charak­ter des Hauses, das in Holzbauweise und im Schwarzwald­stil errichtet wurde, zu erhalten.

Die Gesamtkosten der Arbeiten belaufen sich auf 220.000 Euro. Für die Orts­gruppe Freiburg mit 200 Mit­gliedern ist diese große Investi­tion nur möglich dank eines öffentlichen Zuschusses in Höhe von 110.000 Euro durch das Land Baden-Württemberg. Hinzu kom­men 10.000 Euro von der Stadt Freiburg, eine Spende in Höhe von 5.000 Euro von der Sparkasse Freiburg– Nördlicher Breis­gau und pri­vate Spenden.

Hoch zufrieden und erle­ichtert zeigte sich nach Abschluss der Arbeiten die Naturfreunde-Vorstandsvorsitzende, Gabi Rol­land (MdL). Das Bre­it­nauer Haus sei “das Herz der Freiburger Naturfre­unde” und werde von den Mit­gliedern stark genutzt. Aber auch viele tausend Nicht­mit­glieder begrüßt das Pächtere­hep­aar Nadja Hunds und Diet­mar Benitz alljährlich auf dem Fahrenberg.

Das Naturfre­un­de­haus Breitnau

Das Naturfre­un­de­haus liegt nahe des Schwarzwald­dorfs Bre­it­nau in über ein­tausend Meter Höhe abseits der Haupt­straßen. Die Freiburger Naturfre­unde haben es im Laufe vieler Jahrzehnte von einer ein­fachen Hütte zu einem 60-Betten-Haus aus– und umge­baut. Es bietet für Wan­derer, Fam­i­lien und Grup­pen Unterkunft in Einzel– und Mehrbettz­im­mern. Wer sich selbst verpfle­gen möchte, kann eine Selb­stkocherküche nutzen. (Infos unter www.naturfreundehaus-breitnau.de)

Bere­its 1914 kam bei den Freiburger Naturfre­un­den die Idee auf, ein eigenes Haus im Schwarzwald zu erwer­ben, aber erst nach dem Ersten Weltkrieg kon­nte der Plan in die Tat umge­setzt wer­den. Die Freiburger kauften für 1500 Mark eine ehe­ma­lige Flug­wachthütte in Bre­it­nau, die anschließend mit sechs Pfer­den und zwei Ochsen an ihren heuti­gen Stan­dort unweit vom Fahren­berg geschafft wurde. Die beschei­dene Hütte wurde großzügig erweit­ert und am 11. Okto­ber 1919 von vie­len hun­dert begeis­terten Naturfre­un­den eingeweiht.

Die Naturfre­unde

Über­all in Europa schlossen sich zu Beginn des ver­gan­genen Jahrhun­derts Men­schen der Naturfreunde-Bewegung an, grün­de­ten Orts­grup­pen und bauten oder erwar­ben Vere­in­shäuser.  Mit ihrer Liebe zur Natur, der Begeis­terung fürs Wan­dern und dem Wun­sch nach Bil­dung und sozialer Selb­sthilfe bilde­ten sie die Vor­läufer der mod­er­nen Friedens– und Ökolo­giebe­we­gung. Unter dem Ruf „Berg frei“ set­zen sie erst­mals in der Geschichte das all­ge­meine Betre­tungsrecht an der offe­nen Land­schaft durch.

Auch in Freiburg hatte man die Zeichen der Zeit erkannt. Aus den ersten 15 Grün­dungsmit­glieder mit dem Vor­sitzen­den Wil­helm Lehmann war schon drei Jahre später eine Orts­gruppe mit über ein­hun­dert Mit­gliedern gewor­den, die sich über­wiegend aus der Arbeit­er­schaft rekru­tierten. Ihr Ziel: den weniger Betuchten Erhol­ung und Sport in der freien Natur zu ermöglichen und einen Aus­gle­ich für die tris­ten Arbeits­be­din­gun­gen in den Werk­stät­ten und Fab­riken der Stadt zu schaf­fen. Wil­helm Lehmann und seine Mit­stre­iter fol­gten mit ihrer Ini­tia­tive dem Beispiel vieler anderer Men­schen in Öster­re­ich, Deutsch­land und der Schweiz, die sich seit Grün­dung der ersten Orts­gruppe in Wien 1895 der Bewe­gung angeschlossen hatten.

Ein Polizei-Funkspruch aus Karl­sruhe been­det am 30. März 1933 jäh die Arbeit der Naturfre­unde in Freiburg und ganz Baden. Nach Anweisung des Reich­skom­mis­sars Robert Wag­ner wur­den alle Orts­grup­pen aufgelöst und ihr Ver­mö­gen beschlagnahmt. Bere­its im Okto­ber 1945, ein halbes Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, kamen 150 Naturfre­unde im Zähringer „Löwen“ zur Wieder­grün­dung der Freiburger Orts­gruppe zusam­men. Weniger Monate später gab die franzö­sis­che Mil­itär­regierung die bei­den Häuser in Bre­it­nau und am Feld­berg an die Naturfre­unde zurück, die zwis­chen­zeitlich von Nazi-Organisationen genutzt wor­den waren und sich in einem kläglichen Zus­tand befan­den und mit viel Kraft wieder instand gesetzt wer­den mussten.

Das verbindende Ele­ment war und ist bei den Naturfre­un­den die Liebe zur Natur. Schon 1948 gelang es zusam­men mit dem Schwarzwald­verein den Bau eines Wasserkraftwerks in der Wutach­schlucht zu ver­hin­dern. 1949 gab das Regierung­sprä­sid­ium der Orts­gruppe Freiburg den Auf­trag, das Naturschutzge­biet „Jen­netal“ am Schön­berg zu betreuen – bis heute eine wichtige ehre­namtliche Auf­gabe. Außer­dem sind Naturfre­unde auch in anderen Schutzge­bi­eten der Region im Naturschutz– und Pflege­di­enst tätig. Die Orts­gruppe Freiburg ver­fügt überdies über ein Dutzend aus­ge­bilde­ter und erfahrener Wan­der­leiter und –lei­t­erin­nen, die alljährlich zahlre­iche Wan­derun­gen und naturkundliche Exkur­sio­nen für jed­er­mann anbi­eten. Das Jahre­spro­gramm wird durch viele kul­turelle und gesel­lige Ver­anstal­tun­gen abgerun­det, die natür­lich auch Nicht-Mitgliedern offenstehen.

Damals wie heute bieten die Naturfre­unde allen naturbegeis­terten Men­schen beste Voraus­set­zung für soziales Engage­ment. Ob beim Fam­i­lien­woch­enende in einem der weltweit 1000 Naturfre­un­de­häuser, bei lehrre­ichen Exkur­sio­nen und Reisen, beim gesel­li­gen Zusam­men­sein oder beim Wan­dern, Ski­fahren oder Rad­fahren — das Pro­gramm der Orts­grup­pen bietet für jeden etwas.

Fest zum Bauabschluss

Nach Abschluss der Bauar­beiten wollen die Freiburger Naturfre­unde feiern und laden hierzu alle Inter­essierten her­zlich ein. Los geht es am Son­ntag, dem 23. Okto­ber um 14 Uhr im Naturfre­un­de­haus Bre­it­nau (Fahren­berg 1). Nach der Begrüßung durch die Vor­standsvor­sitzende und MdL, Gabi Rol­land wer­den Bürg­er­meis­ter Haber­stroh und der Architekt Faller sprechen. Die Fes­trede zu „Umwelt– und Nach­haltigkeit­spoli­tik für einen ökol­o­gis­chen und gesellschaftlichen Wan­del“ hält Rita Schwarzelühr-Sutter, Staatssekretärin im Bun­desumwelt­min­is­terium. Weiter geht es mit einem Stück des Firlefanz-Theater Freiburg, einem his­torischen Rück­blick auf das Haus Bre­it­nau durch Werner Käs­tle und Musik mit dem Duo Uschi und Albert.

 

Weit­ere Auskün­fte bei:

Gabi Rol­land Tel: 0761/274742

Mail: Gabi.Rolland@t-online.de