Sehr geehrte Damen und Herren,

im Zuge des Moduls „Prak­tis­che Lan­despflege“ haben Studierende der Forst– und Umwelt­natur­wis­senschaften der Fakultät für Umwelt und Natür­liche Ressourcen, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, mein Mitar­beiter Nico­las Schoof sowie ich kür­zlich die Offen­fläche um das Red­outen­haus am Burghalden­ring (N 47.9973, E 7.8644) besucht. Hier­bei kamen wir zu dem Ergeb­nis, dass Hand­lungs­be­darf zur weit­eren Offen­hal­tung dieses Gebi­ets besteht.

His­torisch gese­hen han­delte es sich bei den Hän­gen des Schloss­bergs um tra­di­tionell exten­siv bewirtschaftetes, offenes Wei­de­land. Wei­dere­likte wie Besen­gin­ster  und ehe­ma­lige Lager­flächen von Wei­de­tieren (s. Abb. 3) sind noch heute vorzufinden. Außer­dem war auch die ober­halb liegende Fes­tung zu Vertei­di­gungszwecken auf freie Sich­tach­sen angewiesen.

Aktuell ist das Grün­land noch dur­chaus struk­tur­re­ich. Daraus resul­tiert eine immer noch große Arten­vielfalt. Besagte Fläche liegt in einem Land­schaftss­chutzge­biet, in dem nach § 26 Abs. 1 BNatSchG ein beson­derer Schutz von Natur und Land­schaft erforder­lich ist. Es wird somit Erhalt, Entwick­lung und Wieder­her­stel­lung der Leis­tungs– und Funk­tions­fähigkeit des Naturhaushaltes auf Grund der Vielfalt, Eigen­heit und Schön­heit, der beson­deren kul­turhis­torischen Bedeu­tung der Land­schaft oder ihrer beson­deren Bedeu­tung für die Erhol­ung vorgeschrieben. Auch der Schlossberg-Rahmenplan vom 24. April 2006 fordert genau dies. Außer­dem wird in § 3 Absatz 2 sowie in der LSG-VO selbst ins­beson­dere die Erhal­tung und Entwick­lung der vork­om­menden Leben­sräume, Lebensstät­ten und Stan­dorte der wildleben­den Tiere und Pflanzen der FFH Richtlinie verlangt.

Für den Schloss­berg stellt diese (fast) let­zte Offen­fläche durch ihren Blüten­re­ich­tum nicht nur eine Bere­icherung für die Naher­hol­ung dar, son­dern besitzt trotz mancher Ein­schränkun­gen (s.u.) durch ihre Arten­vielfalt noch ein rel­a­tiv hohes Maß an naturschutz­fach­lichem Wert. In einer Bestand­sauf­nahme ließen sich auf der Weide unter anderem Gras-Sternmiere (Stel­laria graminea), Gewöhn­licher Horn­klee (Lotus cor­nic­u­la­tus), Feld-Witwenblume (Knau­tia arven­sis), Feld-Hainsimse (Luzula campestris), Wiesen­glock­en­blume (Cam­pan­ula pat­ula), Raues Milchkraut (Leontodon hispidus), Wiesen-Margerite (Leu­can­the­mum vul­gare), Großer Wiesen­knopf (San­guisorba offi­nalis) und Wiesen-Flockenblume (Cen­tau­rea jacea) finden. Somit lässt sich die Fläche min­destens in Erhal­tungs­bere­ich B des FFH-Lebensraums 6510 (Magere Flachland-Mähwiesen) einord­nen. Nach FFH-Richtlinien gilt für dieses Gebiet deshalb das Ver­schlechterungsver­bot, die Fläche sollte über die LUBW-Mähwiesen-Anwendung als zu schützen­der Leben­sraum­typ von der Unteren Naturschutzbe­hörde nachge­tra­gen werden.

Von ihrer Entwick­lung (Sukzes­sion) her gese­hen befindet sich die Frei­fläche jedoch in einem beden­klichen Zus­tand. Aus­bleibende Nutzung bzw. Pflege führte bere­its zu einer Sukzes­sion in eine naturschutz­fach­lich uner­wün­schte Rich­tung, näm­lich eine großflächig unge­hin­derte Aus­bre­itung von Brombeeren (s. Abb. 10). Hinzu kommt der Stick­stof­fein­trag, der eben­falls zur Verän­derung der Veg­e­ta­tion dieses tra­di­tionell eher mageren Stan­dorts führt. Dies fördert stick­stof­fliebende Pflanzen wie die Brombeere, welche bei aus­bleiben­der Zurück­drän­gung durch Pflege­maß­nah­men zur Vorherrschaft gelangt. Dies führt zur Ver­drän­gung der konkur­ren­zschwächeren, lichtlieben­deren Offen­lan­darten. Bei weit­erer unge­hin­derter Aus­bre­itung der Brombeere ist zu erwarten, dass in kurzer Zeit weit­ere Hang­bere­iche großflächig zuwach­sen und viele Arten ver­drängt werden.

Aus oben genan­nten Grün­den finden wir es fach­lich gese­hen sin­nvoll und dringlich, dieser Sukzes­sion mit geziel­ten Maß­nah­men ent­ge­gen­zuwirken, zumal die Wiese auch für die Fauna von großer Bedeu­tung ist. Neben dem Struk­tur­re­ich­tum wur­den von uns Stu­den­ten unter Anleitung auch Naturschutz­maß­nah­men wie ein kleiner Amphi­bi­en­te­ich, ein Leses­tein­haufen und ein Wild­bi­enen­nist­platz angelegt. Sie bieten unter anderem Leben­sraum für die in Anhang 4 der FFH-Richtlinie aufge­führten Arten Mauerei­dechse (Podar­cis muralis) und Schling­nat­ter (Coro­nella aus­tri­aca). Auf den Schutz dieser Arten wird auch im oben erwäh­n­ten Schlossberg-Rahmenprogramm ver­wiesen. Außer­dem wur­den bei der Sich­tung der Fläche Hor­nissen, Blind­schle­ichen, Ringel­nat­ter, Molch­lar­ven, Turm­falken, Erd­kröte und Feld­grillen kartiert. Einige dieser Arten befinden sich auf der Roten Liste bzw. haben einen beson­deren Schutzstatus.

Unsere Schlussfol­gerung deshalb: Zur Förderung des erhal­tenswerten Leben­sraumes mit seiner schützenswerten Flora und Fauna sowie dessen Wert für Touris­mus und Naher­hol­ung müssen Bemühun­gen betrieben wer­den, den Zus­tand dieser einer der let­zten Offen­fläche des Schloss­bergs zu verbessern.

Unsere Vorschläge hier­für sind:

1. Nach­haltige Besei­t­i­gung der Brombeeren durch Mulchen über mehrere Jahre. Opti­mal hier­für wären Novem­ber oder Dezem­ber, um die Win­ter­pho­to­syn­these der Brombeere zu ver­hin­dern, gefolgt von einer anschließen­den Bewei­dung durch Schafe und Ziegen im darauf­fol­gen­den Früh­jahr. Let­ztere darf nicht nur kurzfristig als Triftweide erfol­gen, die Tiere müssen auf der Fläche einige Zeit verweilen.

2. Aus­bau und Förderung der Wan­der­schäferei. Das jährliche Durchziehen des Schäfers trägt zwar erhe­blich zum Erhalt der Weide bei, muss aber mit dem Mulchen syn­chro­nisiert wer­den. Mehrma­liges Bewei­den, ins­beson­dere durch län­geres Ver­weilen der Herde auf der Fläche, würde den Leben­sraumzu­s­tand verbessern, würde den Aufwuchs einer blüten­re­icheren FFH-Mähwiese fördern (Anmerkung: Unter diesen Begriff fallen auch arten­re­iche Grün­landbestände, die aus Bewei­dung her­vorge­hen kön­nen). Dabei ist zu beachten, dass die Herde spätestens im Mai das erste Mal auf die Fläche kommt. Andern­falls wer­den die dann stro­hi­gen, pro­tein­ar­men Gräser ver­schmäht und bevorzugt Blütenpflanzen aufgenommen.

3. Ausweitung der Offen­fläche: Es grenzt ein überwach­senes, mit Bäu­men bestandenes lichtes Gebiet an. Dieses kann nach Besei­t­i­gung der Brombeeren und Sträucher eben­falls als Grün­land genutzt wer­den, bedarf aber auch einiger Baum­fäl­lun­gen. So wäre für Naher­hol­ungssuchende auch wieder der Blick auf die Stadt frei.

Bei unseren regelmäßi­gen Besuchen auf dem Schloss­berg erfreuen wir uns und andere Besucher immer wieder an dieser einzi­gar­ti­gen, blüten­re­ichen Land­schaft, die sich deut­lich mit den dicht bewach­se­nen Wäldern kon­trastiert. Wir hof­fen, dass wir verdeut­lichen kon­nten, welch hohen Stel­len­wert und welch hohes Poten­tial das Offen­land am Schloßberg hat. Eine zukün­ftig geziel­tere Entwick­lung durch Pflege wür­den wir aus naturschutz­fach­lichen und land­schaftlichen Grün­den sehr begrüßen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Albert Reif